www.ebbemunk.dkarrowDie Geheimrede Chruschtschows (1956)

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Personenkult | Volksfeinde | XVII. Parteitag | Großer Vaterländische Krieg | Nach dem Krieg | Selbstverherrlichung | Nachschrift und Anmerkungen | Englische Anmerkungen

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Nach den Krieg

Nach Beendigung des Vaterländischen Krieges gedachte das Volk voller Stolz seiner glänzenden Siege, die mit großen Opfern und unermeßlichen Anstrengungen errungen wurden. Das Land durchlebte eine Phase des politischen Enthusiasmus. Die Partei ging aus dem Krieg noch geschlossener hervor, die Parteikader wurden im Feuer des Krieges gestählt. Unter diesen Bedingungen hätte wohl nicht einmal der Gedanke an die Möglichkeit irgendeiner Verschwörung in der Partei bei irgend jemandem aufkommen können.

Und eben zu dieser Zeit kommt plötzlich die sogenannte Leningrader Affäre auf. Wie heute inzwischen nachgewiesen, ist dieser Fall fabriziert worden. Unschuldig kamen die Genossen Wosnessenski, Kusnezow, Rodionow, Popkow und andere ums Leben. [Anmerkung] [Engl.Anm]

Bekanntlich waren Wosnessenski und Kusnezow hervorragende und talentierte Funktionäre. Zu ihrer Zeit standen sie Stalin nahe. Es genügt zu sagen, daß Stalin Wosnessenski auf den Posten des Ersten Stellvertreters des Vorsitzenden des Ministerrates stellte und daß Kusnezow zum Sekretär des Zentralkomitees gewählt worden war. Allein die Tatsache, daß Stalin Kusnezow die Aufsicht über die Organe der Staatssicherheit übertrug, zeugt von dem Vertrauen, das er genoß. [Engl.Anm]

Wie kam es, daß diese Leute zu Volksfeinden erklärt und liquidiert wurden?

Die Tatsachen beweisen, daß auch die "Leningrader Affäre" ein Ergebnis der Willkür war, die Stalin gegenüber den Parteikadern ausübte. Wenn im Zentralkomitee der Partei, im Politbüro des ZK eine normale Situation geherrscht hätte, in der derartige Fragen behandelt worden wären, wie es sich in der Partei gehört, und wenn alle Fakten eingehend beurteilt worden wären, hätte es einen solchen Fall ebensowenig wie andere derartige Fälle gegeben.

Man muß feststellen, daß sich die Situation nach dem Krieg noch mehr komplizierte. Stalin wurde noch launenhafter, gereizter, brutaler, insbesondere wuchs sein Argwohn. Der Verfolgungswahn erreichte unwahrscheinliche Ausmaße. Viele Mitarbeiter wurden in seinen Augen zu Feinden. Nach dem Krieg grenzte Stalin sich noch mehr vom Kollektiv ab. Über alles entschied er allein, ohne irgend jemanden oder irgend etwas zu berücksichtigen.

Den unerhörten Argwohn Stalins nutzte geschickt der elende Provokateur, der schäbige Feind Berija aus, der Tausende Kommunisten, ehrliche Sowjetbürger ermorden ließ. Die Beförderung Wosnessenskis und Kusnezows erschreckte Berija. Wie heute festgestellt werden kann, hat eben Berija gemeinsam mit seinen Untergebenen Materialien in Gestalt von Erklärungen und anonymen Briefen, in der Form von verschiedenen Gerüchten und Gesprächen konstruiert und Stalin "untergeschoben".

Das Zentralkomitee hat die sogenannte Leningrader Affäre untersucht, die Personen, die unschuldig gelitten haben, wurden jetzt rehabilitiert, die ruhmreiche Leningrader Parteiorganisation erhielt ihre Ehre zurück. Abakumow und andere, die diesen Fall fabrizierten, wurden vor Gericht gestellt, ihr Prozeß fand in Leningrad statt, und sie erhielten, was sie verdienten. [Anmerkung] [Engl.Anm]

Es stellt sich die Frage: Weshalb konnten wir uns jetzt in dieser Frage orientieren und haben das nicht früher, zu Lebzeiten Stalins getan, um es nicht zum Untergang unschuldiger Menschen kommen zu lassen? Deshalb, weil Stalin selbst die "Leningrader Affäre" leitete und die Mehrheit der Politbüromitglieder jener Periode nicht alle Umstände der Angelegenheit kannten und sich natürlich in sie nicht einmischen konnten.

Sofort, nachdem Stalin von Berija und Abakumow bestimmte Materialien erhalten hatte, befahl er schon, den "Fall" Wosnessenski und Kusnezow zu untersuchen, ohne in das Wesen der Fälschungen einzudringen. Damit war ihr Schicksal schon vorherbestimmt.

Lehrreich ist unter diesem Gesichtspunkt auch die Angelegenheit der "Mingrelischen Nationalistischen Organisation", die angeblich in Georgien bestanden hat. In dieser Frage wurden bekanntlich im November 1951 und im März 1952 Beschlüsse des ZK der KPdSU gefaßt. Diese Beschlüsse wurden ohne Erörterung im Politbüro angenommen. Stalin persönlich hat sie diktiert. Sie erhoben schwere Anklagen gegen viele ehrliche Kommunisten. Auf der Grundlage gefälschter Materialien wurde behauptet, daß in Georgien angeblich eine nationalistische Organisation bestehe, die sich den Sturz der Sowjetmacht in dieser Republik unter Beihilfe imperialistischer Staaten zum Ziel stelle. [Anmerkung] [Engl.Anm]

Im Zusammenhang damit wurden eine Reihe verantwortlicher Partei- und Sowjetfunktionäre in Georgien verhaftet. Wie später festgestellt, war das eine Verleumdung gegenüber der Parteiorganisation Georgiens.

Wir wissen, daß es in Georgien wie in einigen anderen Republiken seinerzeit Erscheinungen von lokalem bürgerlichem Nationalismus gegeben hat. Es erhebt sich die Frage: Vielleicht nahmen in diesem Zeitabschnitt, in dem die erwähnten Beschlüsse gefaßt wurden, nationalistische Tendenzen tatsächlich solche Ausmaße an, daß die Gefahr des Austritts Georgiens aus der Sowjetunion und des Übergangs in den Bestand des türkischen Staates bestand?

Das ist selbstverständlich Unsinn. Man kann sich schwer vorstellen, wie solche Vermutungen jemandem in den Sinn kommen konnten. Allen ist bekannt, wie sich Georgien in den Jahren der Sowjetmacht wirtschaftlich und kulturell entwickelt hat.

Die Industrieproduktion der Georgischen Republik übertrifft die Produktion des vorrevolutionären Georgiens um das 27fache. In der Republik entstanden viele neue Industriezweige, die es dort vor der Revolution nicht gab: Eisenmetallurgie, Erdölindustrie, Maschinenbau und andere. Vor langem schon wurde das Analphabetentum beseitigt, das im vorrevolutionären Georgien 78 Prozent der Bevölkerung betraf.

Können die Georgier, wenn sie die Situation in ihrer Republik mit der schweren Lage der arbeitenden Massen in der Türkei vergleichen, die Angliederung an die Türkei anstreben? Im Jahre 1955 war die Stahlproduktion pro Kopf der Bevölkerung in der Türkei 18mal geringer als in Georgien. Georgien erzeugt 9mal mehr Elektroenergie pro Kopf als die Türkei. Nach der Volkszählung von 1950 waren in der Türkei 65 Prozent der Bevölkerung Analphabeten, von den Frauen um 80 Prozent. In Georgien bestehen 19 Hochschulen, die etwa 39 000 Studenten zählen, das heißt achtmal mehr als in der Türkei (auf 1 000 Einwohner gerechnet). In den Jahren der Sowjetmacht ist in Georgien der Wohlstand der Werktätigen unermeßlich gewachsen.

Klar ist, daß im Maße der Entwicklung von Wirtschaft und Kultur, im Maße des Wachstums des sozialistischen Bewußt seins der arbeitenden Massen in Georgien der Boden, aus dem der bürgerliche Nationalismus Nahrung erhält, immer mehr schwindet.

Wie sich in Wirklichkeit herausstellte, gab es in Georgien keinerlei nationalistische Organisation. Tausende unschuldige sowjetische Menschen fielen der Willkür und Gesetzlosigkeit zum Opfer. Und all das vollzog sich unter der "genialen" Führung Stalins - "des großen Sohnes des georgischen Volkes", wie die Georgier ihren Landsmann zu nennen beliebten. [Engl.Anm]

Die Willkür Stalins trat nicht nur bei der Entscheidung über innenpolitische Fragen des Landes zutage, sondern auch im Bereich der internationalen Beziehungen der Sowjetunion.

Auf dem Juli-Plenum des ZK wurden die Ursachen der Entstehung des Konflikts mit Jugoslawien detailliert erörtert. Dabei wurde die unwürdige Rolle Stalins unterstrichen. Schließlich gab es in der "jugoslawischen Frage" keine solchen Probleme, die man nicht auf dem Wege parteilicher Diskussion unter Genossen hätte lösen können. Es gab keine ernsthaften Grundlagen für das Entstehen dieser "Frage", es wäre ganz und gar möglich gewesen, es nicht zum Bruch mit diesem Land kommen zu lassen. Das heißt jedoch nicht, daß die jugoslawischen Führer keine Fehler begangen oder keine Mängel gehabt hätten. Aber diese Fehler und Mängel wurden von Stalin ungeheuerlich übertrieben, was zum Bruch der Beziehungen mit einem befreundeten Land führte. Ich erinnere mich der ersten Tage, als begonnen wurde, den Konflikt zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien künstlich anzufachen. [Anmerkung]

Als ich einmal von Kiew nach Moskau kam, lud mich Stalin zu sich und fragte unter Hinweis auf die Kopie eines Briefes, der unlängst an Tito geschickt worden war: "Hast Du gelesen?" [Anmerkung] [Engl.Anm]

Und ohne die Antwort abzuwarten, sagte er: "Ich schnippe mit dem kleinen Finger - und Tito wird es nicht mehr geben. Er verschwindet..."

Teuer ist uns dieses "Schnippen mit dem kleinen Finger" gekommen. Diese Äußerung widerspiegelte den Größenwahn Stalins, denn gerade so ging er vor: "Ich schnippe mit dem kleinen Finger - und Kossior ist nicht mehr"; "Ich schnippe noch einmal - und Postyschew gibt es nicht mehr, Tschubar auch nicht"; "Ich schnippe erneut - und Wosnessenski, Kusnezow und viele andere verschwinden".

Doch mit Tito geschah das nicht. Wie oft Stalin auch mit dem kleinen Finger schnippte und noch dazu alles ihm Mögliche in Bewegung setzte, Tito wich nicht. Weshalb? Deshalb, weil Tito in diesem Streit einen Staat und ein Volk hinter sich hatte, das eine harte Schule des Kampfes um seine Freiheit und Unabhängigkeit durchlaufen hatte - ein Volk, das seine Führer unterstützte.

Das ist es, wohin Stalins Größenwahn geführt hat. Er hat jedes Realitätsgefühl verloren, verhielt sich voll Argwohn und Hochmut nicht nur gegenüber einzelnen Personen in der UdSSR, sondern auch im Verhältnis zu ganzen Parteien und Ländern.

Jetzt haben wir die Frage Jugoslawien eingehend geprüft und eine richtige Lösung gefunden, die die Völker der Sowjetunion und Jugoslawiens wie auch die werktätigen Massen aller volksdemokratischen Länder, die ganze fortschrittliche Menschheit billigen. Die Beseitigung der unnormalen Beziehungen zu Jugoslawien wurde im Interesse des gesamten sozialistischen Lagers, im Interesse der Stärkung des Weltfriedens vorgenommen.

Man muß auch an den "Fall der Ärzte" erinnern. [Anmerkung]

Im Grunde gab es gar keinen "Fall", abgesehen von der Erklärung der Ärztin Timaschuk, die vielleicht unter irgendwelchem Einfluß oder auf irgend jemandes Wiesung (sie war schließlich inoffizielle Mitarbeiterin der Organe der Staatssicherheit) an Stalin einen Brief schrieb, in dem sie erklärte, die Ärzte würden angeblich falsche Therapien anwenden. [Engl.Anm]

Es reichte ein solcher Brief, damit Stalin sofort den Schluß zog, daß es in der Sowjetunion eine Verschwörung von Ärzten gibt, und er erteilte die Weisung, eine Gruppe hervorragender Spezialisten der sowjetischen Medizin zu verhaften. Persönlich gab er Anweisungen, wie die Untersuchung zu führen sei, wie man die Verhafteten zu verhören habe. Er sagte: den Akademiker Winogradow in Ketten legen und diesen da schlagen. Anwesend ist hier als Parteitagsdelegierter der frühere Minister für Staatssicherheit, Gen. Ignatjew. Stalin sagte ihm geradeheraus: "Wenn Sie kein Geständnis der Ärzte erreichen, machen wir Sie um einen Kopf kürzer." [Anmerkung] [Engl.Anm]

Stalin persönlich berief den Untersuchungsrichter, erteilte ihm Instruktionen, ordnete die Untersuchungsmethoden an, und diese Methoden bestanden in dem einen: schlagen, schlagen und noch einmal schlagen.

Einige Zeit nach der Verhaftung der Ärzte erhielten wir, die Mitglieder des Politbüros, die Protokolle mit dem Schuldbekenntnis der Ärzte. Nachdem er die Protokolle übermittelt hatte, sagte Stalin uns:

"Blind seid ihr wie junge Katzen, was wird nur ohne mich - das Land wird untergehen, wenn ihr es nicht versteht, die Feinde auszumachen." [Engl.Anm]

Der Fall war auf eine Weise angelegt, daß niemand die Möglichkeit besaß, die Fakten zu prüfen, auf deren Grundlage die Untersuchung geführt wurde. Es war nicht möglich, die Tatsachen durch Kontaktaufnahme mit denjenigen nachzuprüfen, die sich schuldig bekannt hatten.

Wir spürten aber, daß der Fall der Verhaftung der Ärzte unsauber war. Viele dieser Menschen kannten wir gut, sie behandelten uns. Und als wir nach dem Tode Stalins untersuchten, wie dieser "Fall" entstanden war, erkannten wir, daß er von Anfang bis Ende konstruiert worden ist.

Diese schändliche Angelegenheit ist von Stalin konstruiert worden, doch ihm gelang es nicht, sie zu Ende zu führen (nach seiner Vorstellung), und deshalb blieben die Ärzte am Leben. Jetzt wurden alle rehabilitiert, sie arbeiten auf denselben Stellen wie früher, behandeln führende Funktionäre, Mitglieder der Regierung eingeschlossen. Wir schenken ihnen volles Vertrauen, und sie erfüllen ihre Pflichten so redlich wie früher.

Beim Organisieren verschiedener schmutziger und schmachvoller Fälle spielte der Erzfeind unserer Partei, der Agent eines fremden Geheimdienstes Berija, der sich das Vertrauen Stalins erschlichen hatte, eine nichtswürdige Rolle. Auf welche Weise konnte dieser Provokateur eine solche Stellung in Partei und Staat erlangen, daß er Erster Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der Sowjetunion und Mitglied des Politbüros des ZK geworden ist? Heute ist festzustellen, daß dieser Schuft auf der Staatsleiter über unzählige Leichen aufgestiegen ist.

Gab es Anzeichen dafür, daß Berija ein Parteifeind war? Ja, es gab sie. Schon auf dem ZK-Plenum im Jahre 1937 sagte der ehemalige Volkskommissar für Gesundheitswesen, Kaminski, daß Berija im Mussawat-Geheimdienst gearbeitet hat. Das Plenum war kaum beendet, da wurde Kaminski schon verhaftet und danach erschossen. Hat Stalin die Erklärung Kaminskis geprüft? Nein, denn Stalin glaubte Berija, und das genügte ihm. Und wenn Stalin glaubte, so konnte niemand irgend etwas sagen, was im Widerspruch zu dieser seiner Meinung gestanden hätte; denjenigen, dem es einfiel, Widerspruch zu äußern, hätte das gleiche Schicksal wie Kaminski getroffen. [Anmerkung] [Anmerkung] [Engl.Anm]

Es gab auch andere Anzeichen. Interessant ist die Erklärung des Gen. Snegow, die dieser im Zentralkomitee abgegeben hat (beiläufig gesagt, ist er ebenfalls vor kurzem nach 17 Jahren Lagerhaft rehabilitiert worden). In der Erklärung schreibt Snegow: [Anmerkung] [Engl.Anm]

"Im Zusammenhang mit der Vorlage der Frage der Rehabilitierung des ehemaligen ZK-Mitglieds Kartwelischwili-Lawrentjew habe ich zu Händen des Vertreters des Komitees für Staatssicherheit detaillierte Aussagen über die Rolle Berijas bei der Abrechnung mit Kartwelischwili und über die verbrecherischen Motive gemacht, von denen sich Berija leiten ließ. [Anmerkung] [Engl.Anm]

Ich sehe es als unerläßlich an, eine wichtige Tatsache in diesem Fall anzuführen und das ZK davon zu informieren, weil ich es für nicht angebracht gehalten hatte, sie in den Untersuchungsdokumenten unterzubringen.

Am 30. 10. 1931 gab der Sekretär des Transkaukasischen Regionskomitees, Kartwelischwili, auf der Sitzung des Organisationsbüros des ZK der KPdSU(B) einen Bericht. Anwesend waren alle Mitglieder des Büros des Regionskomitees, von denen nur noch ich allein am Leben bin.

Auf dieser Sitzung stellte J. W, Stalin am Ende seiner Rede den Antrag, das Sekretariat des Regionskomitees in folgender Zusammensetzung zu bilden: erster Sekretär - Kartwelischwili, zweiter - Berija (damals wurde zum erstenmal in der Geschichte unserer Partei der Name Berijas als Kandidat für eine Parteifunktion erwähnt). Kartwelischwili antwortete umgehend, daß er Berija gut kenne und deshalb eine Zusammenarbeit mit ihm kategorisch ablehne. Daraufhin schlug J. W. Stalin vor, die Frage offenzulassen und sie in der Praxis zu entscheiden. Zwei Tage später fiel die Entscheidung über die Beförderung Berijas auf den Parteiposten und über den Abgang von Kartwelischwili aus Transkaukasien.

Bestätigen können das die Genossen Mikojan und Kaganowitsch, die auf dieser Sitzung zugegen waren.

Die langjährigen feindlichen Beziehungen zwischen Kartwelischwili und Berija waren weitbekannt: Sie datieren von dem Einsatz des Gen. Sergo in Transkaukasien, weil Kartwelischwili der nächste Mitarbeiter von Gen. Sergo war. Und eben das veranlaßte Berija, den >Fall< gegen Kartwelischwili zu konstruieren. Es ist charakteristisch, daß in diesem >Fall< Kartwelischwili wegen eines terroristischen Aktes gegen Berija angeklagt wurde." [Anmerkung] [Engl.Anm]

Im Anklageakt gegen Berija wurden seine Verbrechen detailliert behandelt. Gewisse Dinge sind es aber wert, daß man an sie erinnert, um so mehr, als - vielleicht - nicht alle Parteitagsdelegierte dieses Dokument gelesen haben. Ich möchte hier an die bestialische Abrechnung Berijas mit Kedrow, Golubew und der Pflegemutter Golubews, Baturina, erinnern, die versucht hatten, das ZK über die verräterische Tätigkeit Berijas zu informieren. Sie wurden ohne Gerichtsverhandlung erschossen, und das Urteil wurde im nachhinein ausgefertigt. [Anmerkung] [Engl.Anm]

Folgendes schrieb der Altkommunist Gen. Kedrow an das Zentralkomitee zu Händen von Gen. Andrejew (Genosse Andrejew war damals ZK-Sekretär): [Anmerkung] [Anmerkung] [Engl.Anm]

"Aus der dunklen Zelle des Gefängnisses Lefortowo rufe ich Sie um Hilfe an. Hören Sie den Entsetzensschrei, bleiben Sie nicht taub, treten Sie für mich ein, helfen Sie, den Alptraum der Verhöre zu beenden, den Fehler aufzudecken. [Engl.Anm]

Ich leide unschuldig. Glauben Sie es. Die Zeit wird die Wahrheit beweisen. Ich bin kein >Agent provocateur< der zaristischen Ochrana, bin kein Spion, kein Mitglied einer antisowjetischen Organisation, weswegen ich, gestützt auf verleumderische Berichte, angeklagt bin. Ich habe auch keine anderen Verbrechen gegen die Partei und die Regierung begangen. Ich bin ein alter Bolschewik, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, der (fast) vierzig Jahre ehrlich in den Reihen der Partei für das Wohl und Glück des Volkes gekämpft hat. ... [Engl.Anm]

Heute drohen mir, einem 62jährigen alten Mann, die Untersuchungsrichter mit noch grausameren und emiedrigenderen Mitteln physischer Einwirkung. Sie sind nicht mehr in der Lage, sich ihres Fehlers bewußt zu werden und anzuerkennen, daß ihr Vorgehen mir gegenüber ungesetzlich und unzulässig ist. Sie versuchen diese Mittel zu rechtfertigen, indem sie mich als grimmigen und hartnäckigen Feind hinstellen und eine Verstärkung der Repressalien verlangen. Doch die Partei soll wissen, daß ich unschuldig bin und daß es mit keinerlei Mitteln gelingen wird, einen treuen Sohn der Partei, der ihr bis zum letzten Atemzug ergeben ist, in einen Feind zu verwandeln.

Mir bleibt allerdings kein Ausweg. Ich habe keine Kraft, die drohenden neuen schweren Schläge von mir abzuwenden. Alles hat jedoch Grenzen. Ich bin bis zum Äußersten ge martert worden. Meine Gesundheit ist zerrüttet, meine Kraft und Energie sind erschöpft, das Ende naht. In einem sowjetischen Gefängnis mit dem Brandmal eines elenden Vaterlandsverräters zu sterben - was kann schrecklicher sein für einen ehrlichen Menschen. Wie ungeheuerlich ist das! Grenzenlose Enttäuschung und Schmerz ergreifen das Herz. Nein, nein! Das wird nicht geschehen, das darf nicht geschehen - schreie ich. Sowohl die Partei als auch die Sowjetregierung und der Volkskommissar L. P. Berija werden nicht zulassen, daß es zu einer so grausamen, irreversiblen Ungerechtigkeit kommt. Ich bin überzeugt, daß es bei einer ruhigen, unvoreingenommenen Erörterung, ohne schändliche Beschimpfungen, ohne Zorn, ohne schreckliche Mißhandlungen leicht sein wird, die Gegenstandslosigkeit der Anklagen festzustellen. Ich glaube fest, daß die Wahrheit und Gerechtigkeit triumphieren werden. Ich glaube, glaube."

Der Altbolschewik Gen. Kedrow wurde vom Militärkollegium für unschuldig erklärt. Trotzdem wurde er auf Befehl Berijas erschossen.

Berija rechnete ebenfalls grausam mit der Familie des Gen. Ordshonikidse ab. Weshalb? Deshalb, weil Ordshonikidse Berija bei der Verwirklichung seiner üblen Pläne behinderte. Berija bahnte sich den Weg, in dem er sich aller Menschen entledigte, die ihm hätten schaden können. Ordshonikidse war stets ein Gegner Berijas, worüber er mit Stalin sprach. Anstatt die Angelegenheit zu überprüfen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, ließ es Stalin zur Liquidierung des Bruders von Ordshonikidse kommen, und Ordshonikidse selbst trieb er in einen solchen Zustand, daß er gezwungen war, sich zu erschießen. So also war Berija. [Engl.Anm]

Berija wurde vom Zentralkomitee kurz nach dem Tode Stalins entlarvt. Im Ergebnis eines eingehenden Gerichtsverfahrens wurden Berijas ungeheuerliche Verbrechen festgestellt, und Berija wurde erschossen.

Die Frage erhebt sich, weshalb Berija, der Zehntausende Partei- und Sowjetfunktionäre liquidierte, nicht zu Lebzeiten Stalins entlarvt wurde. Er wurde nicht früher entlarvt, weil er geschickt die schwachen Seiten Stalins ausnutzte, in ihm den Argwohn nährte, in allem Stalin zustimmte und mit seiner Unterstützung agierte.

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