"Rhein[ische] Jahrb[ücher]" p. 155 seqq.
In diesem Aufsatze wird der Leser zunächst durch einen belletristisch-poetischen Prolog auf die schwereren Wahrheiten des wahren Sozialismus vorbereitet. Der Prolog beginnt damit, als "Endzweck alles Strebens, aller Bewegungen, der schweren und unermüdeten Anstrengungen vergangener Jahrtausende" ... "das Glück" zu konstatieren. Wir erhalten in einigen kurzen Zügen sozusagen eine Geschichte des Strebens nach Glück: "Als das Gebäude der alten Welt in Trümmer zerfiel, flüchtete sich das menschliche Herz mit seinen Wünschen hinüber in das Jenseits; dorthin übertrug es sein Glück." p. 156. Daher alles Pech der irdischen Welt. In der neuesten Zeit hat der Mensch dem Jenseits den Abschied gegeben, und unser wahrer Sozialist fragt nun: "Vermag er die Erde wiederum als das Land seines Glücks zu begrüßen? Hat er in ihr wieder seine ursprüngliche Heimat erkannt? Warum trennt er dann noch länger Leben und Glück, warum hebt er die letzte Scheidewand nicht auf, welche das irdische Leben selbst noch immer in zwei feindliche Hälften spaltet?" (ibidem.)
"Land meiner seligsten Gefühle!" etc.
Er erläßt nun eine Einladung zu einem Spaziergange an "den Menschen", eine Einladung, die "der Mensch" mit Vergnügen akzeptiert. "Der Mensch" tritt in die "freie Natur" und entwickelt unter Anderm folgende Herzensergießungen eines wahren Sozialisten:
". ! . bunte Blumen ... hohe und stolze Eichen ... ihr Wachsen und Blühen, ihr Leben ist ihre Befriedigung, ihr Glück... eine unermeßliche Schar von kleinen Tieren auf den Wiesen ... Waldvögel ... mutige Schar junger Rosse ... ich sehe" (spricht "der Mensch"), "daß diese Tiere kein anderes Glück kennen noch begehren als dasjenige, welches für sie in der Äußerung und im Genusse ihres Lebens liegt. Wenn die Nacht herabsinkt, begegnet dem Blick meines Auges eine unzählbare Schar von Welten, welche nach ewigen Gesetzen im unendlichen Raum kreisend sich umschwingen. In diesen Schwingungen sehe ich eine Einheit von Leben, Bewegung und Glück." p. 157.
"Der Mensch" konnte noch eine Masse andrer Dinge in der Natur sehen, z.B. die größte Konkurrenz unter Pflanzen und Tieren, wie z.B. im Pflanzenreich, in seinem "Walde von hohen und stolzen Eichen" diese hohen und stolzen Kapitalisten dem kleinen Gebüsch die Lebensmittel verkümmern und dies ebenfalls ausrufen könnte: terra, aqua, aere et igni interdicti sumus <von Erde, Wasser, Luft und Feuer sind wir ausgeschlossen worden>; er konnte die Schmarotzerpflanzen, die Ideologen der Vegetation, sehen, ferner einen offenen Krieg zwischen den "Waldvögeln" und der "unermeßlichen Schar kleiner Tiere", zwischen dem Grase seiner "Wiesen" und der "mutigen Schar junger Rasse". Er konnte in des "unzählbaren Schar von Welten" eine ganze himmlische Feudalmonarchie mit Hintersassen und Inliegern sehen, von welchen letzteren einige, z.B. der Mond, eine sehr kümmerliche Existenz fristen, aere et aqua interdicti; ein Lehnswesen, in dem sogar die heimatlosen Vagabunden, die Kometen, eine ständische Gliederung erhalten haben, und in dem z.B. die zerschlagenen Asteroiden von zeitweiligen unangenehmen Auftritten zeugen, während die Meteorsteine, diese gefallnen Engel, sich verschämt durch "den unendlichen Raum" schleichen, bis sie irgendwo ein bescheidnes Unterkommen finden. Weiter hinaus würde er dann auf die reaktionären Fixsterne kommen.
"Alle diese Wesen finden in der Übung und Äußerung aller ihrer Lebensfähigkeiten, mit denen sie von der Natur begabt sind, zugleich ihr Glück, die Befriedigung und den Genuß ihres Lebens."
D.h., in der gegenseitigen Einwirkung der Naturkörper aufeinander, in der Äußerung ihrer Kräfte findet "der Mensch", daß diese Naturkörper darin ihr Glück usw. finden.
"Der Mensch" erhält nunmehr von unsrem wahren Sozialisten einen Verweis wegen seiner Zwietracht:
"Ist der Mensch nicht gleichfalls hervorgegangen aus der Urwelt, ein Geschöpf der Natur wie alle andern? Ist er nicht aus denselben Stoffen gebildet, mit denselben allgemeinen Kräften und Eigenschaften begabt, welche alle Dinge beleben? Warum sucht er sein Glück auf der Erde noch immer in einem irdischen Jenseits?" p. 158.
"Dieselben allgemeinen Kräfte und Eigenschaften", die der Mensch mit "allen Dingen" gemein hat, sind Kohäsion, Undurchdringlichkeit, Volumen, Schwere usw., die man auf der ersten Seite jedes Lehrbuchs der Physik ausführlich verzeichnet findet. Wie hieraus ein Grund gezogen werden kann, warum der Mensch nicht "sein Glück in einem irdischen Jenseits suchen" sollte, ist schlechterdings nicht abzusehen. Aber, ermahnt er den Menschen:
"Sehet die Lilien auf dem Felde." Ja, sehet die Lilien auf dem Felde, wie sie von den Ziegen verspeist, von "dem Menschen" ins Knopfloch verpflanzt werden, wie sie unter den unkeuschen Liebkosungen der Viehmagd und des Eselstreibers zusammenknicken! "Sehet die Lilien auf dem Felde, sie arbeiten nicht, sie spinnen nicht, und euer himmlischer Vater ernähret sie doch." Gehet hin und tut desgleichen!
Nachdem wir so die Einheit "des Menschen" mit "allen Dingen" erfahren haben, erfahren wir nun seinen Unterschied von "allen Dingen".
"Aber der Mensch erkennt sich, besitzt das Bewußtsein seiner selbst. Während in den andern Wesen die Triebe und Kräfte der Natur einzeln und unbewußt zur Erscheinung kommen, vereinigen sie sich im Menschen und gelangen in ihm zum Bewußtsein ... seine Natur ist der Spiegel der ganzen Natur, welche sich in ihm erkennt. Wohlan! Erkennt sich die Natur in mir, so erkenne ich in der Natur mich selbst, in ihrem Leben mein eignes Leben [...] So leben auch wir aus, was die Natur in uns hineingelegt hat." p. 158.
Dieser ganze Prolog ist ein Muster naiver philosophischer Mystifikation. Der wahre Sozialist geht von dem Gedanken aus, daß der Zwiespalt von Leben und Glück aufhören müsse. Um für diesen Satz einen Beweis zu finden, nimmt er die Natur zu Hülfe und unterstellt, daß in ihr dieser Zwiespalt nicht existiere, und hieraus schließt er, daß, da der Mensch ebenfalls ein Naturkörper sei und die allgemeinen Eigenschaften des Körpers besitze, für ihn dieser Zwiespalt ebenfalls nicht existieren dürfe. Mit viel größerem Rechte konnte Hobbes sein bellum omnium contra omnes <[seinen] Kampf aller gegen alle> aus der Natur beweisen und Hegel, auf dessen Konstruktion unser wahrer Sozialist fußt, in der Natur den Zwiespalt, die liederliche Periode der absoluten Idee erblicken und das Tier sogar die konkrete Angst Gottes nennen. Nachdem unser wahrer Sozialist die Natur so mystifiziert hat, mystifiziert er das menschliche Bewußtsein, indem er es zum "Spiegel" der so mystifizierten Natur macht. Natürlich, sobald die Äußerung des Bewußtseins den Gedankenausdruck eines frommen Wunsches über menschliche Verhältnisse der Natur untergeschoben, versteht es sich von selbst, daß das Bewußtsein nur der Spiegel ist, in dem die Natur sich selbst beschaut. Wie oben aus der Qualität des Menschen als bloßer Naturkörper, so hier aus seiner Qualität als bloßer passiver Spiegel, in dem die Natur zum Bewußtsein kommt, wird bewiesen, daß "der Mensch" den in der Natur als nicht existierend unterstellten Zwiespalt ebenfalls in seiner Sphäre aufzuheben habe. Doch sehen wir uns den letzten Satz, in dem sich der ganze Unsinn zusammenfaßt, näher an.
Der Mensch besitzt Selbstbewußtsein, erstes Faktum, was ausgesagt wird. Die Triebe und Kräfte der einzelnen Naturwesen werden verwandelt in die Triebe und Kräfte "der Natur", die dann natürlich in diesen einzelnen Wesen vereinzelt "zur Erscheinung kommen". Diese Mystifikation war nötig, um nachher die Vereinigung dieser Triebe und Kräfte "der Natur" im menschlichen Selbstbewußtsein hervorzubringen. Hiermit wird dann auch ganz selbstredend das Selbstbewußtsein des Menschen verwandelt in das Selbstbewußtsein der Natur in ihm. Diese Mystifikation wird dadurch scheinbar wieder aufgelöst, daß der Mensch an der Natur Revanche nimmt und dafür, daß die Natur in ihm ihr Selbstbewußtsein findet, er nun in ihr das seinige sucht - eine Prozedur, wobei er natürlich nichts in ihr findet, als was er durch die oben beschriebne Mystifikation in sie hineingelegt hat.
Er ist jetzt glücklich wieder dabei angekommen, wovon er im Anfange ausging, und dies Herumdrehen auf dem Absatz nennt man neuerdings in Deutschland ... Entwicklung.
Nach diesem Prologe kommt die eigentliche Entwicklung des wahren Sozialismus.
p. 160. "Saint-Simon sagte auf seinem Totenbett zu seinen Schülern: Mein ganzes Lehen faßt sich in Einen Gedanken zusammen: allen Menschen die freieste Entwicklung ihrer natürlichen Anlagen zu sichern. Saint-Simon war ein Verkündiger des Sozialismus."
Dieser Satz wird nach der oben geschilderten Methode der wahren Sozialisten und in Verbindung mit der Naturmystifikation des Prologs verarbeitet.
"Die Natur als Grundlage alles Lebens ist eine aus sich selbst hervorgehende und auf sich selbst zurückgehende Einheit, welche alle die unzähligen Mannigfaltigkeiten ihrer Erscheinungen umfaßt und außer welcher Nichts ist." p. 158.
Wir haben gesehen, wie man es anfängt, die verschiedenen Naturkörper und ihre gegenseitigen Verhältnisse in mannigfaltige "Erscheinungen" des geheimen Wesens dieser mysteriösen "Einheit" zu verwandeln. Neu ist in diesem Satze nur, daß die Natur einmal "die Grundlage alles Lebens" heißt und gleich darauf gesagt wird, daß "außer ihr Nichts ist", wonach sie "das Leben" ebenfalls umschließt und nicht seine bloße Grundlage sein kann.
Auf diese Donnerworte folgt das Pivot <der Angelpunkt> des ganzen Aufsatzes: "Jede dieser Erscheinungen, jedes Einzelleben besteht und entwickelt sich nur durch seinen Gegensatz, seinen Kampf mit der Außenwelt, beruht nur auf seiner Wechselwirkung mit dem Gesamtleben, mit dem es wiederum durch seine Natur zu einem Ganzen, zur organischen Einheit des Universums verknüpft ist." p. 158, 159.
Dieser Pivotalsatz wird folgendermaßen näher erläutert: "Das Einzelleben findet einerseits seine Grundlage, seine Quelle und Nahrung in dem Gesamtleben, andererseits sucht das Gesamtleben das Einzelleben in stetem Kampf zu verzehren und in sich aufzulösen." p. 159.
Nachdem dieser Satz so von allem Einzelleben ausgesagt ist, kann er "demnach" auch auf den Menschen angewandt werden, wie dies auch wirklich geschieht: "Der Mensch kann sich demnach nur in und durch das Gesamtleben entfalten." (Nr. II) ibid.
Nun wird dem unbewußten Einzelleben das bewußte, dem allgemeinen Naturleben die menschliche Gesellschaft gegenübergestellt und dann der letztzitierte Satz unter folgender Form wiederholt: "Ich kann meiner Natur nach nur in und durch die Gemeinschaft mit andern Menschen zur Entwicklung, zum selbstbewußten Genusse meines Lebens gelangen, meines Glückes teilhaftig werden." (Nr. II) ibid.
Diese Entwicklung des einzelnen Menschen in der Gesellschaft wird, wie oben beim "Einzelleben" überhaupt, weiter ausgeführt:
"Der Gegensatz des einzelnen zum allgemeinen Leben wird auch in der Gesellschaft die Bedingung zur bewußten menschlichen Entwicklung. Ich entwickle mich im steten Kampfe, in steter Gegenwirkung gegen die Gesellschaft, die mir als beschränkende Macht gegenübersteht, zur Selbstbestimmung, zur Freiheit, ohne welche kein Glück ist. Mein Leben ist eine fortwährende Befreiung, ein fortwährender Streit und Sieg über die bewußte und unbewußte Außenwelt, um sie mir zu unterwerfen und sie zum Genusse meines Liebens zu verbrauchen. Der Trieb der Selbsterhaltung, das Streben nach eignem Glück, Freiheit, Befriedigung sind also natürliche, d.h. vernünftige Lebensäußerungen." (ibid.)
Weiter.
"Ich verlange demnach von der Gesellschaft, daß sie mir die Möglichkeit gewährt. von ihr meine Befriedigung, mein Glück zu erkämpfen, daß sie meiner Kampfeslust ein Schlachtfeld eröffne. - Wie die einzelne Pflanze Boden, Wärme, Sonne, Luft und Regen verlangt, um zu wachsen, ihre Blätter, Blüten und Früchte zu tragen, so will auch der Mensch in der Gesellschaft die Bedingungen für die allseitige Ausbildung und Befriedigung aller seiner Bedürfnisse, Neigungen und Anlagen finden. Sie soll ihm die Möglichkeit zur Erringung seines Glücks bieten. Wie er sie benutzen, was er aus sich, aus seinem Leben machen wird, das hängt von ihm, von seiner Eigenheit ab. Über mein Glück kann Niemand als ich selbst bestimmen." p. 159, 160.
Folgt nun der von uns am Anfange dieses Bausteins zitierte Satz Saint-Simons als Schlußresultat der ganzen Auseinandersetzung. Der französische Einfall ist somit durch die deutsche Wissenschaft begründet. Worin besteht diese Begründung?
Der Natur waren bereits oben einige Ideen untergeschoben, die der wahre Sozialist in der menschlichen Gesellschaft realisiert zu sehen wünscht. Wie früher der einzelne Mensch, so ist jetzt die ganze Gesellschaft der Spiegel der Natur. Von den der Natur untergeschobenen Vorstellungen kann jetzt ein weiterer Schluß auf die menschliche Gesellschaft gezogen werden. Da der Verfasser sich nicht auf die historische Entwicklung der Gesellschaft einläßt und sich bei dieser dürren Analogie beruhigt, so ist nicht abzusehen, weshalb sie nicht zu allen Zeiten ein getreues Abbild der Natur gewesen. Die Phrasen über die Gesellschaft, die den Einzelnen als beschränkende Macht gegenüber tritt usw., passen daher auch auf alle Gesellschaftsformen. Daß bei dieser Konstruktion der Gesellschaft einige Inkonsequenzen sich einschleichen, ist natürlich. So muß hier im Gegensatz zur Harmonie des Prologs ein Kampf in der Natur anerkannt werden. Die Gesellschaft, das "Gesamtleben", faßt unser Verfasser nicht als die Wechselwirkung der sie zusammensetzenden "Einzelleben", sondern als eine besondre Existenz, die mit diesen "Einzelleben" noch in eine aparte Wechselwirkung tritt. Wenn hier irgendeine Beziehung auf wirkliche Verhältnisse zugrunde liegt, so ist es die Illusion von der Selbständigkeit des Staates gegenüber dem Privatleben und der Glaube an diese scheinbare Selbständigkeit als an etwas Absolutes. Übrigens handelt es sich hier ebensowenig wie im ganzen Aufsatze von Natur und Gesellschaft, sondern bloß von den beiden Kategorien Einzelnheit und Allgemeinheit, denen verschiedene Namen gegeben werden und von welchen gesagt wird, daß sie einen Gegensatz bilden, dessen Versöhnung höchst wünschenswert sei.
Aus der Berechtigung des "Einzellebens" gegen das "Gesamtleben" folgt, daß die Befriedigung der Bedürfnisse, die Entwicklung der Anlagen, die Selbstliebe pp. "natürliche, vernünftige Lebensäußerungen" sind. Aus der Auffassung der Gesellschaft als Spiegelbild der Natur folgt, daß in allen bisherigen Gesellschaftsformen, die gegenwärtige eingeschlossen, diese Lebensäußerungen zu ihrer vollständigen Entwicklung kamen und in ihrer Berechtigung anerkannt wurden.
Plötzlich erfahren wir p. 159, daß "in unsrer heutigen Gesellschaft" diese vernünftigen, natürlichen Lebensäußerungen dennoch so oft unterdrückt werden" und "gewöhnlich nur deshalb in Unnatur, Verbildung, Egoismus, Laster pp. ausarten".
Da also dennoch die Gesellschaft nicht der Natur, ihrem Urbilde, entspricht, so "verlangt" der wahre Sozialist von ihr, daß sie sich naturgemäß einrichte, und beweist sein Recht zu diesem Postulat durch das unglückliche Beispiel von der Pflanze. Erstens "verlangt" nicht die Pflanze von der Natur alle die oben aufgezählten Existenzbedingungen, sondern sie wird gar nicht Pflanze, sie bleibt Samenkorn, wenn sie sie nicht findet. Dann hängt die Beschaffenheit der "Blätter, Blüten und Früchte" sehr von dem "Boden", der "Wärme" pp., von den klimatischen und geologischen Verhältnissen ab, unter denen sie wächst. Während also das der Pflanze untergeschobene "Verlangen" sich in eine vollständige Abhängigkeit von den vorliegenden Existenzbedingungen auflöst, soll ebendies Verlangen unsren wahren Sozialisten berechtigen, eine Einrichtung der Gesellschaft nach seiner individuellen "Eigenheit" zu verlangen. Das Postulat der wahren sozialistischen Gesellschaft begründet sich auf das eingebildete Postulat einer Kokospalme an "das Gesamtleben", ihr am Nordpol "Boden, Wärme, Sonne, Luft und Regen" zu verschaffen.
Aus dem angeblichen Verhältnis der metaphysischen Personen Einzelnheit und Allgemeinheit, nicht aus der wirklichen Entwicklung der Gesellschaft, wird das obige Postulat des Einzelnen an die Gesellschaft deduziert. Hierzu braucht man nur die einzelnen Individuen als Repräsentanten, Verkörperungen der Einzelnheit, und die Gesellschaft als Verkörperung der Allgemeinheit zu interpretieren, und das ganze Kunststück ist fertig. Zugleich ist hierdurch der saint-simonistische Satz von der freien Entwicklung der Anlagen auf seinen richtigen Ausdruck und seine wahre Begründung zurückgeführt. Dieser richtige Ausdruck besteht in dem Unsinn, daß die Individuen, die die Gesellschaft bilden, ihre "Eigenheit" bewahren, daß sie bleiben wollen, wie sie sind, während sie von der Gesellschaft eine Veränderung verlangen, die bloß aus ihrer eignen Veränderung hervorgehen kann.
"Und wer das Lied nicht weiter kann,
Der fang' es wieder von vornen an."
"Die unendliche Mannigfaltigkeit aller Einzel-
Wesen als Einheit zusammengefaßt ist der Weltorganismus". (p. 160.)
.
Also zurück an den Anfang des Aufsatzes sind wir geschleudert und erleben die ganze Komödie vom Einzelleben und Gesamtleben zum andern Mal. Wiederum enthüllt sich uns das tiefe Geheimnis der Wechselwirkung zwischen den beiden Leben, restauré à neuf <auf neu hergerichtete> durch den neuen Ausdruck "polares Verhältnis" und die Verwandlung des Einzellebens in ein bloßes Symbol, "Abbild" des Gesamtlebens. Dieser Aufsatz reflektiert sich kaleidoskopisch in sich selbst, eine Manier der Entwicklung, die allen wahren Sozialisten gemeinsam ist. Sie machen es mit ihren Sätzen wie jenes Kirschenweib, das unter dem Einkaufspreise losschlug nach dem richtigen ökonomischen Prinzip: Die Masse muß es tun. Bei dem wahren Sozialismus ist dies um so notwendiger, als seine Kirschen faul waren, ehe sie reiften.
Einige Proben dieser Selbstspiegelung:
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Baustein Nr. I. p.158, 159 |
Baustein Nr. II. p.160, 161 |
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"Jedes Einzelleben besteht und entwickelt sich nur durch seinen Gegensatz ... beruht nur auf der Wechselwirkung mit dem Gesamtleben, |
"Jedes Einzelleben besteht und entwickelt sich in und durch das Gesamtleben, das Gesamtleben nur in und durch das Einzelleben." (Wechselwirkung.) |
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Mit dem es wieder durch seine Natur zu einem Ganzen verknüpft ist. |
"Das Einzelleben entwickelt sich ... als Teil des allgemeinen Lebens. |
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Organische Einheit des Universums. |
Einheit zusammengefaßt ist der Weltorganismus. |
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Das Einzelleben findet einerseits seine Grundlage, Quelle und Nahrung in dem Gesamtleben, |
Das" (das Gesamtleben) " der Boden und Nahrung seiner" (des Einzellebens) "Entfaltung wird ... daß sich beide gegenseitig begründen ... |
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Andrerseits sucht das Gesamtleben das Einzelleben in stetem Kampfe zu verzehren. |
Daß sich beide bekämpfen und feindlich gegenüberstehen. |
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Demnach (p.159) |
Daraus folgt (p.161) |
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Was dem unbewußten Einzelleben das unbewußte, allgemeine Weltleben, das ist dem bewußten ... Leben die menschliche Gesellschaft. |
Das auch das bewußte Einzelleben durch das bewußte Gesamtleben und" ... (umgekehrt) ... "bedingt ist. |
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Ich kann nur in und durch die Gemeinschaft mit andern Menschen zur Entwicklung gelangen ... Der Gegensatz des einzelnen und allgemeinen Lebens wird auch in der Gesellschaft" usw. |
Der einzelne Mensch entwickelt sich nur in und durch die Gesellschaft, die Gesellschaft" vice versa |
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"Die Natur ... ist eine ... Einheit, welche alle die unzähligen Mannigfaltigkeiten ihrer Erscheinungen umfaßt." |
"Die Gesellschaft ist die Einheit, welche die Mannigfaltigkeit der einzelnen menschlichen Lebensentwicklungen in sich begreift und zusammenfaßt." |
Mit dieser Kaleidoskopie nicht zufrieden, wiederholt unser Verfasser seine einfachen Sätze über Einzelnheit und Allgemeinheit auch noch auf andre Weise. Zuerst stellt er diese paar dürren Abstraktionen als absolute Prinzipien auf und schließt daraus, daß in der Wirklichkeit dasselbe Verhältnis wiederkehren müsse. Dies gibt schon Gelegenheit, unter dem Schein der Deduktion alles zweimal zu sagen, in abstrakter und als Schluß daraus in scheinbar konkreter Form. Dann aber wechselt er mit den konkreten Namen, die er seinen beiden Kategorien gibt. Die Allgemeinheit tritt so nach der Reihe als Natur, unbewußtes Gesamtleben, bewußtes ditto, allgemeines Leben, Weltorganismus, zusammenfassende Einheit, menschliche Gesellschaft, Gemeinschaft, organische Einheit des Universums, allgemeines Glück, Gesamtwohl pp., und die Einzelnheit unter den entsprechenden Namen unbewußtes und bewußtes Einzelleben, Glück des Einzelnen, eignes Wohl pp. auf. Bei jedem dieser Namen müssen wir dieselben Phrasen wieder anhören, die über Einzelnheit und Allgemeinheit schon oft genug gesagt sind.
Der zweite Baustein enthält also nichts, als was der erste schon enthielt. Da sich aber bei den französischen Sozialisten die Worte égalité, solidarité, unité des intérêts < Gleichheit, Solidarität, Einheit der Interessen > vorfinden, so sucht unser Verfasser sie durch Verdeutschung zu "Bausteinen" des wahren Sozialismus zuzuhauen.
"Als bewußtes Mitglied der Gesellschaft erkenne ich jedes andre Mitglied als ein von mir verschiedenes, mir gegenüberstehendes, zugleich aber wieder als ein auf dem gemeinschaftlichen Urgrunde des Seins ruhendes und von ihm ausgehendes, mir gleiches Wesen. Ich erkenne jeden Mitmenschen durch seine besondre Natur als mir entgegengesetzt und durch seine allgemeine Natur als mir gleich. Die Anerkennung der menschlichen Gleichheit, der Berechtigung eines Jeden zum Leben, beruht demnach auf dem Bewußtsein der gemeinschaftlichen. allen gemeinsamen menschlichen Natur: Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit und alle gesellschaftlichen Tugenden beruhen gleichfalls auf dem Gefühle der natürlichen menschlichen Zusammengehörigkeit und Einheit. Hat man sie bisher als Pflichten bezeichnet und auferlegt, so werden sie in einer Gesellschaft, welche nicht auf äußern Zwang, sondern auf das Bewußtsein der inneren menschlichen Natur, d.h. die Vernunft, gegründet ist, zu freien, naturgemäßen Äußerungen des Lebens werden. In der natur-, d.h. vernunftgemäßen Gesellschaft müssen daher die Bedingungen des Lebens für alle Mitglieder gleich, d.h. allgemein sein." p. 161. 162.
Der Verfasser besitzt ein großes Talent, zuerst einen Satz assertorisch aufzustellen und ihn dann durch ein Daher, Dennoch pp. als Konsequenz aus sich selbst zu legitimieren. Ebenso versteht er es, mitten in diese merkwürdige Art der Deduktion traditionell gewordene sozialistische Sätze durch ein "Hat", "Ist" - "so müssen", "so wird" usw. erzählend einzuschmuggeln.
In dem ersten Baustein hatten wir auf der einen Seite den Einzelnen und auf der andern das Allgemeine, gegenüber den Einzelnen, als Gesellschaft. Hier kehrt der Gegensatz in der Form wieder, daß der Einzelne in sich selbst in eine besondre und eine allgemeine Natur gespalten wird. Aus der allgemeinen Natur wird dann auf die "menschliche Gleichheit" und die Gemeinschaftlichkeit geschlossen. Die den Menschen gemeinschaftlichen Verhältnisse erscheinen hier also als Produkt des "Wesens des Menschen", der Natur, während sie ebensogut wie das Bewußtsein der Gleichheit historische Produkte sind. Damit noch nicht zufrieden, begründet der Verfasser die Gleichheit durch ihr allerseitiges Beruhen "auf dem gemeinschaftlichen Urgrunde des Seins". Im Prolog erfuhren wir p.158, daß der Mensch "aus denselben Stoffen gebildet, mit denselben allgemeinen Kräften und Eigenschaften begabt ist, welche alle Dinge beleben". Im ersten Baustein erfuhren wir, daß die Natur die "Grundlage alles Lebens" ist, also "der gemeinschaftliche Urgrund des Seins". Der Verfasser ist also weit über die Franzosen hinausgegangen, indem er "als bewußtes Mitglied der Gesellschaft" nicht nur die Gleichheit der Menschen unter sich, sondern auch ihre Gleichheit mit jedem Floh, jedem Strohwisch, jedem Stein bewiesen hat.
Wir wollen gerne glauben, daß "alle gesellschaftlichen Tugenden" unsres wahren Sozialisten "auf dem Gefühl der natürlichen menschlichen Zusammengehörigkeit und Einheit" beruhen, obwohl auf dieser "natürlichen Zusammengehörigkeit" auch die Feudalhörigkeit, die Sklaverei und alle gesellschaftlichen Ungleichheiten aller Epochen beruhen. Nebenbei bemerkt, ist diese "natürliche menschliche Zusammengehörigkeit" ein täglich von den Menschen umgestaltetes historisches Produkt, das immer sehr natürlich war, so unmenschlich und widernatürlich es nicht nur vor dem Richterstuhl "des Menschen", sondern auch einer nachfolgenden revolutionären Generation erscheinen mag.
Zufällig erfahren wir noch, daß die jetzige Gesellschaft "auf äußerm Zwang" beruht. Nicht die beschränkenden materiellen Lebensbedingungen gegebner Individuen stellen sich die wahren Sozialisten unter "äußerm Zwang" vor, sondern nur den Staatszwang, Bajonette, Polizei, Kanonen, welche, weit entfernt, die Grundlage der Gesellschaft zu sein, nur eine Konsequenz ihrer eignen Gliederung sind. Es ist dies bereits in der "Heiligen Familie" und jetzt wieder im ersten Bande dieser Publikation auseinandergesetzt.
Gegenüber der jetzigen, "auf äußerm Zwang beruhenden" Gesellschaft stellt der Sozialist das Ideal der wahren Gesellschaft auf, die auf dem "Bewußtsein der Innern menschlichen Natur, d.h. der Vernunft" beruht. Also auf dem Bewußtsein des Bewußtseins, dem Denken des Denkens. Der wahre Sozialist unterscheidet sich nicht einmal im Ausdruck mehr von den Philosophen. Er vergißt, daß sowohl die "innere Natur" der Menschen wie ihr "Bewußtsein" darüber, "d.h." ihre "Vernunft", zu allen Zeiten ein historisches Produkt war, und daß, selbst wenn ihre Gesellschaft, wie er meint, "auf äußerm Zwang" beruhte, ihre "innere Natur" diesem "äußern Zwang" entsprach.
Folgen p. 163 die Einzelnheit und Allgemeinheit mit gewohntem Gefolge in der Gestalt des einzelnen Wohls und des Gesamtwohls. Ähnliche Erklärungen über das Verhältnis beider findet man in jedem Handbuch der Nationalökonomie bei Gelegenheit der Konkurrenz, und u.a. auch, nur besser ausgedrückt, bei Hegel. Z.B. "Rhein[ische] Jahrb[ücher]" p. 163:
"Indem ich das Gesamtwohl fördere, fördere ich mein eignes Wohl, und indem ich mein eignes Wohl fördere, das Gesamtwohl."
Hegels "Rechtsphilosophie", p. 248 (1833): "Meinen Zweck befördernd, fördere ich das Allgemeine, und dieses befördert wiederum meinen Zweck."
Vgl. auch "Rechtsphil[osophie]", p. 323 seqq. über das Verhältnis des Staatsbürgers zum Staat.
Als letztes Ergebnis erscheint daher die bewußte Einheit des Einzellebens mit dem Gesamtleben, die Harmonie." (p. 163, "Rh[einische] J[ahrbücher]".)
"Als letztes Ergebnis" nämlich daraus, daß "dieses polare Verhältnis zwischen dem einzelnen und allgemeinen Leben darin besteht, daß sich einmal Beide bekämpfen und feindlich gegenüberstehen, das andre Mal, daß sich Beide gegenseitig bedingen und begründen."
"Als letztes Ergebnis" folgt hieraus höchstens die Harmonie der Disharmonie mit der Harmonie, und aus der ganzen abermaligen Repetition der bekannten Phrasen folgt nur der Glaube des Verfassers, daß sein vergebliches Abquälen mit den Kategorien der Einzelnheit und Allgemeinheit die wahre Form sei, in der die gesellschaftlichen Fragen zu lösen seien.
Der Verfasser schließt mit folgendem Tusch: "Die organische Gesellschaft hat zur Grundlage die allgemeine Gleichheit und entwickelt sich durch die Gegensätze der Einzelnen gegen das Allgemeine zum freien Einklange, zur Einheit des einzelnen mit dem allgemeinen Glücke, zur sozialen" (!) "gesellschaftlichen" (!!) "Harmonie, dem Spiegelbilde der universellen Harmonie." p. 164.
Nur die Bescheidenheit kann diesen Satz einen "Baustein" nennen. Er ist ein ganzer Urfels des wahren Sozialismus.
"Auf dem polaren Gegensatz, der Wechselwirkung meines besondern Lebens mit dem allgemeinen Naturleben, beruht der Kampf des Menschen mit der Natur. Wenn dieser Kampf als bewußte Tätigkeit erscheint, heißt er Arbeit." p. 164.
Sollte nicht umgekehrt die Vorstellung von dem "polaren Gegensatz" auf der Beobachtung eines Kampfes der Menschen mit der Natur beruhen? Erst wird eine Abstraktion aus einem Faktum gezogen; dann erklärt, daß dies Faktum auf dieser Abstraktion beruhe. Wohlfeilste Methode, deutsch-tief und spekulativ zu erscheinen.
Z.B.:
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Faktum: |
Die Katze frißt die Maus. |
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Reflexion: |
Katze - Natur, Maus - Natur, Verzehren der Maus durch die Katze = Verzehren der Natur durch die Natur = Selbstverzehren der Natur. |
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Philosophische Darstellung des Faktums: |
Auf dem Selbstverzehren der Natur beruht das Gefressenwerden der Maus von der Katze. |
Nachdem also auf diese Weise der Kampf des Menschen mit der Natur mystifiziert ist, wird die bewußte Tätigkeit des Menschen in Beziehung auf die Natur mystifiziert, indem sie als Erscheinung dieser bloßen Abstraktion wirklicher Kämpfe gefaßt wird. Schließlich wird dann das profane Wort Arbeit als Resultat dieser Mystifikation hereingeschmuggelt, ein Wort, das unser wahrer Sozialist von Anfang an auf der Zunge hatte, aber erst nach gehöriger Legitimierung auszusprechen wagte. Die Arbeit wird aus der bloßen, abstrakten Vorstellung des Menschen und der Natur konstruiert und daher auch auf eine Weise bestimmt, die auf alle Entwicklungsstufen der Arbeit gleich gut paßt und nicht paßt.
"Die Arbeit ist demnach jede bewußte Tätigkeit des Menschen, wodurch er die Natur seiner Herrschaft in geistiger und materieller Beziehung zu unterwerfen strebt, um sie zum bewußten Genuß seines Lebens zu bringen, sie zu seiner geistigen oder körperlichen Befriedigung zu verwenden." (ibid.)
Wir machen bloß auf die glänzende Schlußfolgerung aufmerksam: "Wenn dieser Kampf als bewußte Tätigkeit erscheint, heißt er Arbeit - die Arbeit ist demnach jede bewußte Tätigkeit des Menschen" usw. Diese tiefe Einsicht verdanken wir dem "polaren Gegensatz".
Man rufe sich den obigen saint-simonistischen Satz von dem libre développement de toutes les facultés <[der] freien Entwicklung aller Fähigkeiten> ins Gedächtnis zurück. Man erinnere sich zu gleicher Zeit, daß Fourier an die Stelle des heutigen travail répugnant <[der] abstoßenden Arbeit> den travail attrayant <[die] anziehende Arbeit> gesetzt sehen wollte. Dem "polaren Gegensatz" verdanken wir folgende philosophische Begründung und Explikation dieser Sätze:
"Da aber" (dies Aber soll andeuten, daß hier kein Zusammenhang stattfindet) "das Leben in jeder Entfaltung, Übung und Äußerung seiner Kräfte und Fähigkeiten zu seinem Genusse, zu seiner Befriedigung kommen soll, so ergibt sich, daß die Arbeit selbst eine Entfaltung und Entwicklung menschlicher Anlagen sein und Genuß, Befriedigung und Glück gewähren soll. Die Arbeit selbst muß mithin zu einer freien Äußerung des Lebens und dadurch zum Genuß werden." (ibid.)
Hier wird gezeigt, was in der Vorrede der "Rh[einischen] Jahrb[ücher]" versprochen ist, nämlich "inwiefern die deutsche Gesellschaftswissenschaft in ihrer bisherigen Ausbildung sich von der französischen und englischen unterscheidet", und was das heißt, "die Lehre des Kommunismus wissenschaftlich darzustellen".
Es ist schwer, jeden logischen Lapsus in diesen wenigen Zeilen aufzudecken, ohne langweilig zu werden. Zunächst die Schnitzer gegen die formelle Logik.
Um zu beweisen, daß die Arbeit, eine Äußerung des Lebens, Genuß bringen soll, wird unterstellt, daß das Leben in jeder Äußerung Genuß bringen soll, und hieraus geschlossen, daß das Leben dies auch in seiner Äußerung als Arbeit soll. Mit dieser paraphrastischen Verwandlung eines Postulats in eine Konklusion nicht zufrieden, macht der Verfasser die Konklusion noch dazu falsch. Daraus, daß "das Leben in jeder Entfaltung zum Genuß kommen soll", ergibt sich für ihn, daß die Arbeit, die eine dieser Entfaltungen des Lebens ist, "selbst eine Entfaltung und Entwicklung menschlicher Anlagen", also wieder des Lebens, "sein soll". Sie soll also sein, was sie ist. Wie hätte die Arbeit es anfangen sollen, um jemals nicht eine "Entfaltung menschlicher Anlagen" zu sein? Damit nicht genug. Weil die Arbeit dies sein soll, "muß" sie es "mithin" sein, oder noch besser: Weil sie eine "Entfaltung und Entwicklung menschlicher Anlagen sein soll", muß sie mithin ganz etwas Andres werden, nämlich "eine freie Äußerung des Lebens", wovon bisher noch gar nicht die Rede war. Und während oben direkt von dem Postulat des Lebensgenusses auf das Postulat der Arbeit als Genuß geschlossen wurde, wird hier dies letztere Postulat als Konsequenz des neuen Postulats der "freien Äußerung des Lebens in der Arbeit" dargestellt.
Was den Inhalt dieses Satzes angeht, so ist nicht abzusehen, warum die Arbeit nicht immer das war, was sie sein soll, und warum sie es jetzt werden muß, oder warum sie etwas werden soll, was sie bis dato nicht muß. Aber bisher war freilich nicht das Wesen des Menschen und der polare Gegensatz des Menschen und der Natur entwickelt.
Folgt eine "wissenschaftliche Begründung" des kommunistischen Satzes von dem gemeinschaftlichen Eigentum an den Produkten der Arbeit:
"Das Produkt der Arbeit aber" (dies abermalige Aber hat denselben Sinn wie das obige) "muß zugleich dem Glücke des Einzelnen, Arbeitenden und dem allgemeinen Glücke dienen. Dies geschieht durch die Gegenseitigkeit, durch die gegenseitige Ergänzung aller gesellschaftlichen Tätigkeiten." (ibid.)
Dieser Satz ist nichts als eine durch das Wort "Glück" schwankend gemachte Kopie dessen, was in jeder Ökonomie der Konkurrenz und Teilung der Arbeit nachgerühmt wird.
Endlich philosophische Begründung der französischen Organisation der Arbeit:
"Die Arbeit als eine genußreiche, Befriedigung gewährende und zugleich dem allgemeinen Wohle dienende freie Tätigkeit ist die Grundlage der Organisation der Arbeit." p. 165.
Da die Arbeit erst "eine genußreiche pp. freie Tätigkeit" werden soll und muß, es also noch nicht ist, so wäre eher zu erwarten, daß die Organisation der Arbeit umgekehrt die Grundlage der "Arbeit als einer genußreichen Tätigkeit" ist. Aber der Begriff der Arbeit als dieser Tätigkeit reicht vollständig hin.
Der Verfasser glaubt am Schlusse seines Aufsatzes zu "Resultaten" gekommen zu sein.
Diese "Bausteine" und "Resultate", zusammen mit den übrigen Granitblöcken, die sich in den "Einundzwanzig Bogen", dem "Bürgerbuch" und den "Neuen Anekdotis" finden, bilden den Felsen, auf den der wahre Sozialismus, alias deutsche Sozialphilosophie, seine Kirche bauen wird.
Wir werden gelegentlich einige der Hymnen, einige Fragmente des cantique allégorique hébraique et mystique <hebräischen und mystischen allegorischen Lobgesangs > hören, die in dieser Kirche gesungen werden.